Artikel vom 15.02.2012
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Ja-Wort in der Hüpfburg


Valentinstag 2012, Petriplatz Berlin: Zwischen Bauzäunen und Plattenbauten steht eine aufblasbare Kirche, bereit, 20 heiratswillige Paare plus Hochzeitsgäste in ihr Gummi-Inneres aufzunehmen - ein würdiger Ersatz für die im Krieg beschädigte Petrikirche, die 1964 der Abrissbirne zum Opfer fiel?

Treueschwur am Gummialtar

Tatsächlich mehr Symbolik und Werbegag - ohne Pfarrer und offiziellen Segen, aber begleitet vom Geräusch etlicher Gebläse, die sicherstellen, dass das ungeheizte Ambiente nicht verpufft. Drinnen läuft sich ein verfroren wirkendes Pärchen für den Ernstfall warm. Nach dem "Ja, ich will" erklärt ein festlich gekleideter junger Mann ihren Treueschwur für "symbolisch erneuert". Nein, kein Pfarrer oder Standesbeamter, sondern Mitarbeiter einer Eventagentur.

Was treibt Paare für den Preis von 20 Euro in das aufblasbare Gotteshaus? Um ihren Freund zu überraschen - sagt eine der symbolischen Bräute -um die Probezeit einzuläuten, inklusive Rosenstrauß und Fotografin. Der Auserwählte gibt zu, er dachte zuerst, seine Freundin wollte ihn zum Springen auf einer Hüpfburg verführen. Ein lesbisches Paar beklagt, nur 10 von 22 Landeskirchen wollten ihre Verbindung segnen, die katholische Kirche hätte sich sogar komplett geweigert.

Honeymoon mal anders ...

Auch die evangelische Kirche hatte sich quergestellt: Ursprünglich wollte der Veranstalter ein aufblasbares Gotteshaus aus Mitteldeutschland ausleihen, doch als man dort den Zweck der Anmietung herausfand, kam prompt das Nein: Die Veranstaltung stünde dem christlichen Glauben diametral entgegen. Kirchenvertreter kritisieren, dass die Ernsthaftigkeit der Liebe so in Frage gestellt wird.

Hilfe kam aus Großbritannien, in Gestalt einer Kirche von Wimdu.co.uk. Das 15 Meter hohe und 15 Meter lange Gummigebäude steht im 15 Minutentakt für die Zeremonie zur Verfügung, zwischen 10 Uhr morgens und 6 Uhr abends. 60 Personen finden darin Platz. Geschäftsführer Michael Riegel betont: Diese einzigartige Zeremonie ist rein symbolisch, weder unter religiösem noch gesetzlichem Aspekt wirksam.

Britischer Humor at its finest? Wimdu, gegründet 2011, will die Art des Hochzeitsreisens verändern - und bietet gleich hunderte Adressen für den Honeymoon in Berlin an. Geht es in ein aufblasbares Dornröschenschloss? Weniger, sondern in romantische Privatzimmer, Hotels und Pensionen - in England natürlich in ein echtes Castle.

Heiraten auf Sibirisch

Provozierte viellicht auch nur der schlaff herabbaumelnde Berliner Kirchturm den Unmut der Pastoren? Gutes Omen für ein erfülltes Liebesleben hin oder her, Tatsache ist: Bereits 2009 erhielten nicht nur Honeymoonreisende, sondern auch Raststättenbesucher die Gelegenheit, einem echten Gottesdienst der evangelischen Kirche beizuwohnen - in einer ihrer aufblasbaren Autobahnkirchen. Schließlich gehe es um die Verbreitung der Frohen Botschaft. Und wer mag, traut sich ganz real - in Sibirien, wo diese Kirchen von katholischen und orthodoxen Gemeinden genutzt werden, die sich kein Gotteshaus leisten können.

In Los Angeles wurde gerade aktuellen Valentinstag-Engpässen mit der Aufblaslösung begegnet. County-Clerk Dean C. Log auf der Website des Standesamtes von L. A: "Liebe liegt in der Luft, und Ihr Standesbeamter steht bereit, Paaren zu helfen, diesen Valentinstag in etwas Unvergessliches zu verwandeln". Love is full of air, oder?

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