Artikel vom 11.06.2024

Arrangierte Ehen: Schwiegersohn nach Papas Geschmack gesucht!



Heiraten aus Liebe: Das Schicksal mischt die Karten, Amors Pfeil trifft, eine romantische Beziehung beginnt ... In der globalen Realität helfen oft viele Hände der Liebe auf die Sprünge. Wie bei Fußballstar Sadio Mané, der gerade eine arrangierte Ehe einging. Wie bitte, im Jahr 2024? Doch was bedeutet arrangiert eigentlich?

Arrangierte Hochzeit im Senegal

Der frühere Bayern-Fußballer Sadio Mané hat geheiratet, in seinem Heimatland Senegal. Sadio und Braut Aisha Tamba (18) kannten sich seit zwei Jahren. Doch dass die beiden einmal heiraten würden, war seit langem klar. Denn sie waren einander versprochen. Als Aisha 16 war, trafen sich die Familien und besprachen die Hochzeitspläne. Im Senegal dürfen übrigens auch 16-Jährige schon heiraten, aber Sadio wollte, dass Aisha zuvor ihre Ausbildung beendet. Trotz arrangierter Ehe betont der Brautvater: Meine Tochter hat der Heirat freiwillig zugestimmt! Dennoch verlangte es die Tradition, dass der Bräutigam den Vater der Braut um Erlaubnis fragt. Aber erst, nachdem er diesen überzeugt hat: Ich bin Ehemann-Material! Nämlich vor allem gottesfürchtig - und ein guter Mensch. Auf Aisha fiel die Wahl, da diese versprach, Sadios Erwartungen zu erfüllen. Wie nicht in Social Media präsent sowie gläubig zu sein. Ob der Bräutigam tatsächlich nach den zugesagten Werten lebte? Das konnte die Braut nicht persönlich beurteilen, sondern musste dazu auf das Wort ihres Vaters vertrauen. Und darauf, dass ihr Ehemann den väterlichen Rat an den Schwiegersohn beherzigt, sie in der Ehe wie eine eigene Tochter und Schwester zu behandeln.

Indien: Heiratskandidat muss den Eltern gefallen

Während weltweit jede zweite Ehe arrangiert wird, ist dies in Indien die Norm: Inderinnen suchen ihren späteren Ehemann noch in über 90 Prozent der Fälle gemeinsam mit den Eltern aus. Interessant an diesen Zahlen: Studien zufolge bevorzugen drei Viertel der jungen Inderinnen diese Heiratsform. Was den Umkehrschluss zulässt, dass längst nicht jede Inderin mit dem Konzept glücklich ist. Zufallsbegegnungen scheiden bei der Partnerwahl aus, man kennt sich vor der Trauung nur flüchtig. Wo andere vermitteln, liegt die Entscheidung nicht bei der Braut selbst. Verliebtheit ausleben, Schmetterlinge im Bauch? Fällt vor diesem Hintergrund eher weg. Stattdessen hat die Partnersuche etwas von einer Jobsuche: Profile von Heiratskandidaten sichten - und prüfen, wer die Kriterien und Werte der Familie am besten erfüllt. Etwa, weil man der christlichen Minderheit angehört und so nur ein gläubiger Christ Chancen hat. Oder Tamile ist. Oder der gewünschten Kaste angehört. Die Eltern zufriedenzustellen, hat Priorität.

Inderinnen lassen sich mit der Ehe Zeit

Gesucht wird die Quadratur des Kreises: Ein Ehemann, der zugleich den Eltern und einem selbst gefällt. Für junge Inderinnen spielt deren Unterstützung auch nach der Hochzeit eine entscheidende Rolle. Geht eine arrangierte Ehe schief, setzen sich viele Brauteltern für eine Scheidung ein. Anders bei einer Liebesheirat - hier liegt die Verantwortung bei der Tochter. Aber moderne Inderinnen lassen sich zunehmend Zeit mit dem Heiraten: Erstmal das Studium beenden, um Gründe zu haben, Heiratsanträge abzulehnen. Wer allerdings zu oft Nein sagt, wird nicht selten unter Druck gesetzt: Den nimmst du jetzt! Glücklich, wer den arrangierten Partner trotzdem mag und lieben lernt. Doch auch in Indien fragen Kritiker: Warum um Himmels willen muss überhaupt geheiratet werden? Umdenken und Wandel zeigen sich auch darin, dass immer mehr Bräute arrangierter Ehen äußern, ihren eigenen Kindern eine Liebesheirat zu erlauben.

Sind arrangierte Ehen in Deutschland zulässig?

Unter so genannten Bio-Deutschen ein Auslaufmodell, sind arrangierte Ehen unter Gruppen anderen kulturellen Hintergrunds gang und gäbe. Familien und Heiratsvermittler schlagen passende Partner vor - aber im Unterschied zur Zwangsehe müssen beide potenziellen Ehegatten der Heirat zustimmen. Nach deutschem Recht handelt es sich beim Bund der Ehe um eine rechtlich anerkannte, dauerhafte Lebensgemeinschaft. Damit eine Ehe rechtmäßig ist, verlangt das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) die Freiwilligkeit der Entscheidung. Zwangsheiraten, auch die Nötigung dazu, stehen in Deutschland unter Strafe.

Zwangsehen - typisch Islam?

Es mag manche überraschen, aber der Islam sieht die Zwangsverheiratung als schwere Form der Menschenrechtsverletzung, weil als massiven Eingriff in Persönlichkeitsrechte und Selbstbestimmungsrecht. So jedenfalls die Islamische Religionsgemeinschaft Hessen (IRH) im Rahmen schriftlicher Anhörung im Hessischen Landtag. Und wehrt sich damit gegen die Auffassung, Zwangsverheiratung und Ehrenmorde nur Menschen mit türkisch-muslimischer Herkunft anzulasten - wie es Beratungsstellen oft täten. Die 2002 in der Presse verbreitete Falschbehauptung, Terre des Femmes habe jährlich 30.000 zwangsverheiratete Frauen in Deutschland gezählt, hält sich hartnäckig. Denn repräsentative Studien dazu gibt es bislang gar nicht. Fakt ist, dass in der Schweiz Erhebungen zeigten, dass sich das Thema Zwangsheirat auf Angehörige verschiedenster religiöser sowie ethnischer Gruppen erstreckt - darunter hinduistische Tamilen, muslimische, aber auch katholische Kosovarinnen sowie orthodoxe Juden und christlich-orthodoxe Assyrer und Aramäer.

Stehen archaische Traditionen Freiwilligkeit im Weg?

Doch wer will und kann ein Vorliegen von Freiwilligkeit wirksam prüfen? Sicher ist, dass hier zwei Wertewelten aufeinander prallen. Gerade führte der Streit um eine arrangierte Ehe zu einem massiven Polizeieinsatz in Dortmund. Zwei arabische Großfamilien stritten, weil der Bräutigam mit Gewalt das Handy seiner Braut kontrollieren wollte. Die Polizei nahm den erhitzten jungen Mann in Gewahrsam. Was die Familien nicht akzeptierten - und versuchten, den Bräutigam zu befreien. Wie sich herausstellte, war der junge Mann nur zu Besuch in Deutschland. Die Hochzeit fällt erstmal aus, denn den Bräutigam erwartet ein Verfahren wegen Widerstands gegen Polizisten. Ereignisse, die nahelegen, dass arrangierte Ehen primär vor dem Hintergrund patriarchalischer, archaischer Traditionen zu betrachten sind. Je ausgeprägter diese, desto weniger dürfen Braut und Bräutigam bei der Wahl ihres künftigen Partner mitreden.

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