Artikel vom 18.09.2023

Hochzeit mit Knalleffekt: Freudenschüsse, Staus - und besondere Hochzeitsflyer



Später Freitagnachmittag in Ulm, Menschen in Hochzeitslaune: Es knallt, mehrmals. Doch es sind nicht Sektkorken, sondern Schüsse, die Bürger am Ulmer Ostbahnhof aufschrecken - aus der Waffe der Braut. Immer wieder rufen Hochzeitstraditionen mit Knall- oder Staueffekt die Polizei auf den Plan. Nur lästig und nervig - oder auch gefährlich?

Braut schießt vor Freude um sich

Das Brautpaar lebe hoch, dass die Korken knallen! Oder Schüsse. Als die Ulmer Beamten mit mehreren Streifenwagen Richtung Ostbahnhof ausrücken, finden sie in einem Fahrzeug einen offenen Waffenkasten, auf der Straße sind Patronenhülsen verstreut. Untrügliches Zeichen, dass irgendwo in der Nähe eine Hochzeit gefeiert wird: Die Braut höchstpersönlich hatte zehn Freudenschüsse aus einer Schreckschusspistole abgegeben. Weil es dafür einen Waffenschein braucht, erwartet die Frischvermählte nun eine Anzeige wegen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Alltag für Ordnungshüter bundesweit, denn Knalleffekte gehören bei türkischen und arabischen Hochzeiten zum guten Ton. Wie Waffen aus fahrenden Autos abzufeuern: Alarmiert durch andere Verkehrsteilnehmer, müssen Beamte Hochzeitskorsos stoppen, die nicht nur aus Hochzeitslimousine und ein paar geschmückten Begleitfahrzeugen, sondern gleich mehreren Dutzend Autos bestehen.

Hochzeitgäste sterben durch scharfe Waffen

Nicht immer bleibt es bei Platzpatronen: Einen Bräutigam in Jordanien kosteten Salutschüsse jetzt das Leben. Er wurde während der Trauung von einer verirrten Kugel getroffen. Gefährliches Brauchtum, weshalb Aktivisten seit langem für den Verzicht auf diese Hochzeitstradition kämpfen, die dort immer wieder Todesopfer unter den Hochzeitsgästen fordert. Wie in Deutschland dort ist das Einsetzen von Schusswaffen in der Öffentlichkeit verboten. Aber hüben wie drüben tut man sich schwer, dieses Recht auch durchzusetzen. In der islamischen Kultur, auch auf dem Balkan und in Südostasien, gehören Freudenschüsse zu einer ausgelassenen Hochzeitsfeier. Aber auch andere frohe Anlässe sind Grund, Waffen zu ziehen, deren Kauf unkompliziert möglich ist: 2021 feierten Jemens Jugendfußballer ihren Sieg gegen Saudi-Arabien. Fünf Menschen starben durch Salutschüsse, 120 wurden verletzt. Initativen sehen solche Schützen als potenzielle Mörder. Traditionell arabisch lasse sich auch feiern, ohne Gäste zu gefährden: So gehen die Aktivisten selbst auf Hochzeitsfeiern. Fallen dann Schüsse, entscheidet der Bräutigam, ob die Aktivisten oder der Schütze das Fest verlassen müssen.

Harmlose Schreckschusspistolen

Nicht selten kommt es auch in Deutschland zu einem regelrechten Dauerfeuer, begleitet von Pyrotechnik. Viel Lärm um nichts, weil dabei meistens nur ungefährliche Schreckschusswaffen gezückt werden? Nein, warnt die Gewerkschaft der Polizei (GdP). Nicht ohne Grund braucht es zum Führen solcher zur Abschreckung erlaubten Pistolen den kleinen Waffenschein. Den nur erhält, wer nicht vorbestraft ist. Geschätzt 15 Millionen solcher Waffen sind in Deutschland im Umlauf; die Zahl entsprechender Waffenscheine liegt unter einer Million. Leider können auch Schreckschusswaffen, aus kurzer Entfernung auf Menschen gerichtet, schwere Verletzungen verursachen. Weshalb damit auch Freudenschüsse an Silvester verboten sind.

Social Media wirksame Hochzeitskorsos

Des einen Freud, des anderen Leid: Schüsse lösen Angst aus. Was ist da los? Sind das scharfe Waffen? Abgesehen davon, dass solche Großeinsätze der Polizei Steuergelder verschlingen - und Beamte dort abziehen, wo sie dringender gebraucht werden. Straßensperrungen sorgen bei Unbeteiligten für Ärger, wo Hochzeitsgesellschaften nicht nur von zuhause zur Eventlocation fahren, sondern flaggenschwenkend in der Region kreisen. Ein echtes Sicherheitsrisiko, wo Kolonnen den Verkehr ausbremsen, Standstreifen zum Überholen nutzen und Hochzeitsfotos auf der Fahrbahn schießen. Bilder von Autokorsos, mit denen Hochzeitspaare anschließend in den Sozialen Medien glänzen.

Die Polizei NRW gratuliert recht herzlich!

Genügt es, nur den Nichtbesitz von Waffenscheinen zu rügen? In Nordrhein-Westfalen soll es ein Hochzeitsflyer und Aktionsplan richten. In Bremen gibt es einen solchen Flyer schon. 2019 war die NRW-Polizei jeden Monat mehr als einhundert Male wegen Hochzeitsfeiern und Verkehrsgefährdung im Einsatz. Nach romantischem, rosenverziertem Deckblatt-Design und Gratulation geht es schnell zur Sache: Führen Sie keine Waffen mit", steht es in diesem Flugblatt, das nun an beliebten Hochzeitsorten von Brautmodengeschäft bis Festsaal sowie in Moscheen verteilt wird. So möchte man möglichst viele Feiernde erreichen. Locations wie der Prenses Palace in Essen fassen hunderte Gäste - praktisch von freitags bis sonntags ausgebucht. Ein Erlass durch Innenminister Herbert Reul (CDU) soll die Zahl der Polizeieinsätze - besonders außerhalb des Fastenmonats Ramadan - senken helfen.

Waffen, Staus & Co.: Bußgelder und Haftstrafen drohen

Weiter verlangt der Hochzeitsflyer, sich an die Verkehrsregeln zu halten, keine Staus zu provozieren und keine Pyrotechnik zu zünden. Es drohen Punkte in Flensburg, das Verbot der gemeinsamen Weiterfahrt, die zeitaufwändige Personalienfeststellung und das Durchsuchen von Hochzeitsgästen und Fahrzeugen. Darüber hinaus stellt der Innenminister Bußgelder, die Beschlagnahmung von Fahrzeugen sowie Freiheitsstrafen in Aussicht. Um die Strafverfolgung beweisssicher zu machen, steigen zusätzlich Hubschrauber der Polizeifliegerstaffel in die Luft. Zu oft hatten sich Autokorsos in der Vergangenheit bei Auftauchen der Streifenwagen aus dem Staub gemacht! Des Weiteren setzt man auf spezielle Kontaktbeamte für muslimische Kommunikation. Und eigentlich sei es ja selbstverständlich, dass bei einer Hochzeit keine Waffen dabei sind, so die Gewerkschaft der Polizei - aber sieht dennoch dringenden Aufklärungsbedarf.

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