Artikel vom 22.11.2016

Liebe kennt kein Gitter: Hochzeit hinter Gefängnismauern



Justizvollzugsanstalt (JVA) Geldern: Allein 2015 schlossen fünf Insassen hier den Bund fürs Leben, in gesamt NRW waren es laut Landesjustizministerium ganze 29 Eheschließungen in 36 Anstalten. Ist Heiraten per se schon ein entscheidender Schritt, ist das Ja im Gefängnis extraspeziell - nicht zuletzt, weil Hochzeitsvorhaben nicht an die Öffentlichkeit dringen, denn die Öffentlichkeit wird nicht gesucht. Wie fühlt sich Heiraten hinter Gittern an?

Hochzeit im Besucherzimmer

Ein Brautpaar tritt vor den Standesbeamten - wenig romantisch, aber so festlich wie möglich: Meist finden Trauungen in einem schmucklosen, zuweilen fensterlosen Besucherzimmer mit karger Möblierung statt - Tische, Stühle, mehr nicht. Für die Trauung schwingt sich die Anstaltsleitung zu einer weißen Tischdecke sowie Kaffee und Kuchen für die Hochzeitsgäste auf. Wie alle Besucher werden auch diese routinemäßig kontrolliert: Mitgebracht werden darf nichts, auch kein Sekt, um anzustoßen, denn Alkohol ist verboten. Hochzeitsfotos machen oder die Trauung filmen? Möglich, aber meist nur auf gesonderten Antrag. Auch die Besucherzahl ist mit maximal 20 Personen überschaubar - Standesbeamter und Anstaltsmitarbeiter schon eingerechnet.

Hochzeitsnacht? Erschwerte Bedingungen

Nicht nur die Kontaktaufnahme per Brief (kontrolliert, wo der Verdacht von Gefährdung oder Straftat naheliegt), auch eine Hochzeit in der JVA unterliegt zahlreichen Auflagen. Die Hochzeitsnacht macht hier keine Ausnahme: Es gibt sie praktisch nicht, zumindest nicht direkt im Anschluss ans Ja-Wort. Wohl aber einen speziellen Besuchsraum, von den Insassen als Sexzelle bezeichnet - eine Art Wohnzimmer ohne Bett, aber mit Sofa, Bettwäsche und frischen Handtüchern ausgerüstet. Um drei Stunden Intimsphäre stehen den Frischvermählten hier zu. Im Hintergrund: Alarmknopf und Gegensprechanlage zur Sicherheit.

In der JVA heiraten: Die Gründe

Wirkt sich eine Heirat im Gefängnis vorteilhaft auf die Resozialisation aus? Noch heute begegnet man dieser Auffassung, die sich Wissenschaftler schon in den 1970ern zu wiederlegen bemühten. Wie eine Ausgabe des Spiegel von 1975 berichtet, nahm die Forschung zwischen 1968 und 1973 die Heiratsmotive männlicher, in Hessen Inhaftierter in den Blick. Ergebnis: 90 Prozent der Häftlinge tauschten die Ringe in der Hoffnung auf Straferlass. Und die Bräute in spe? Die Untersuchung fand hier neben Prostituierten, die ihren Status aufbessern wollten auch Frauen, die mit der Vorstellung, den Straffälligen zu bessern, in die Ehe gingen. Aus aktueller Perspektive liegt die Wahrheit vermutlich in der Mitte: Im Prinzip handelt es sich bei Inhaftierten um Männer und Frauen wie alle anderen - motiviert durch eine Sehnsucht nach Freiheit, Liebe, Verbundenheit und Trost.

Neu durchstarten - für draußen

Bahnt sich ein Heiratwunsch an, raten Betreuer wie Gefängnispfarrer dazu, sich gut zu überlegen, ob Inhaftierte diesen wichtigen Tag wirklich für immer mit dem Knast verknüpfen möchten. Und weisen auf die erschwerten Bedingungen hin, eine Beziehung hinter Gittern aufrecht zu erhalten: Mit zwei Regel- und zwei (nicht garantierten) Langzeitbesuchen pro Monat sind Besuchstermine selten, private Telefonate kaum möglich. Hören andere Insassen zu, bekommen sie auch mit, wenn es in Ehe oder Beziehung kriselt - ein Signal der Schwäche, das innerhalb der Gefängnismauern angreifbar macht. Andererseits bereitet ein stabiles Netz draußen den Weg für eine Entlassung vor Ablauf des Strafmaßes. Neu anfangen? Eheschließungen im Gefängnis formulieren diesen hoffnungsvollen Wunsch.

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