Artikel vom 21.09.2017
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International, barrierefrei: Trauung mit Dolmetscher



Waidhaus, Oberpfalz, 17. September: Bürgermeisterin und Standesbeamtin Margit Kirzinger traut Antonia Kloub-Hermann und Antonin Hermann, die sich im Netz kennenlernten. Das Besondere? Neben Trauzeugen und Familie ist auch ein Dolmetscher anwesend, der für den Bräutigam aus dem Tschechischen übersetzt. Was müssen Brautleute beachten, wenn Sprachbarrieren das Ja-Wort versperren?

Ja, ich will! Das muss Ihr Dolmetscher haben

Immer dann, wenn wenigstens einer der Brautleute keine oder unzureichende Kenntnisse der Amtssprache hat, muss ein Dolmetscher dabeisein - bei Anmeldung und standesamtlicher Trauung selbst. Sein Job: Sicherstellen, dass die künftigen Eheleute alle rechtlichen Inhalte zu 100 Prozent verstehen. Dabei umfasst seine Leistung nicht die Trauzeugen, da diese ohne ausreichende Deutschkenntnisse gar nicht erst zeichnungsberechtigt sind. Nur ein Dolmetscher, der die Amtssprache sowie die Sprache des fremdsprachigen Ehepartners einwandfrei versteht, ist zugelassen. Darüber hinaus bürgt die Tatsache, dass er amtlich vereidigt und gerichtlich eingetragen ist, dafür, dass er im Rahmen des Dolmetschens wahrheitsgemäße Aussagen macht. Befangenheit steht dem entgegen, weshalb der Dienstleister mit den Brautleuten nicht verwandt oder verschwägert sein darf. Wie finden Sie jemanden, der Ihr Ja-Wort dolmetscht? Besonders, wenn es darum geht, kurzfristig eine exotische Sprache oder jemanden für das Standesamt einer kleineren Gemeinde zu finden? Dolmetschervermittlungen im Internet oder (regional unterschiedliche) öffentliche Angebote unterstützen bei der Suche - wie der Dolmetscherpool der Stabsstelle Integration in der Region Bonn.

Vor der Anmeldung: Dokumente, Dokumente!

Sprachbarrieren warten auch im Bereich Dokumente: So sind für eine Trauung mit einem ausländischen Partner unterschiedlichste Papiere, von der beglaubigten Abschrift aus dem Geburtenregister (Geburtsurkunde reicht oft nicht) über Ledigkeitsbescheinigungen bis zur aktuellen Meldebescheinigung, beizubringen - nach Bundesland unterschiedlich. Spezielle Agenturen eröffnen dazu die Option, Unterlagen online zu übermitteln, so dass Ihnen die übersetzten Dokumente per Post oder Kurier innerhalb weniger Tage zugehen. Nachweise, die Sie bei der Anmeldung im Standesamt im Original mit Übersetzung plus Apostille bzw. Legislation (Echtheitsprüfung) vorlegen müssen.

Sprachlos: Deutsche Ämter mit Schulungsbedarf

Eine aktuelle Umfrage der Deutschen Presse-Agentur brachte es an den Tag: Auf den Berliner Ämtern ist man nur weniger Fremdsprachen mächtig. Englisch stellt kein Problem dar, Französisch und Polnisch schon eher. Dabei existiert Infomaterial in zahlreichen Sprachen, doch nur wenige Behörden - auch bundesweit - schicken ihre Mitarbeiter gezielt in Sprachkurse. Noch immer setzt man auf den Ämtern auf muttersprachliche Kollegen mit ausländischen Wurzeln. Beratung und Unterstützung auf Arabisch, Vietnamesisch, Rumänisch, Türkisch oder in Gebärdensprache? Bislang reine Glückssache, auch im Standesamt.

Gehörlose: Heiraten in Gebärdensprache

Nicht jedes Standesamt verfügt über Glücksfälle wie Ann-Kathrin Diederich: Die Lippstädterin ist die einzige gehörlose Standesbeamtin Deutschlands, die Brautleute Kraft ihres Amtes in Gebärdensprache, einschließlich Traurede und Formel zu Mann und Frau erklärt. Sie sind betroffen? Dann müssen Sie, wie andere Paare mit Dolmetscherbedarf, Ihren Gebärdensprachdolmetscher selbst mitbringen - und oft auch selbst bezahlen. Eine Praxis, die dem Rechtsanspruch auf Gebärdensprache (§ 19 SGB X) für taube und schwerhörige Menschen im Umgang mit staatlichen Einrichtungen eigentlich entgegensteht. Zumindest erkennt das Bundesgleichstellungsgesetz deutsche Gebärdensprache als Amtssprache an. Fazit: Nicht gehörlose Partner bzw. Paare, sondern das Standesamt muss für den Dolmetscher sorgen. Trotzdem ist es derzeit Ermessens- und oft Sache von Land bzw. Landesgleichstellungsgesetz, ob diese Kosten barrierefreier Heirat übernommen werden. In Bayern hat ein Gehörloser unter bestimmten Voraussetzungen Anspruch auf Bezahlung des Gebärdensprachdolmetschers (§ 1 BayKHV). Und in Herford, NRW, beschäftigt die Verwaltung seit Kurzem eine Kommunikationsassistentin für Gebärdensprache, die auch bei der Anmeldung im Standesamt unterstützt - derzeit noch befristet, aber immerhin kostenlos.

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