Artikel vom 20.06.2014

Blumen bei Hochzeiten



Über Jahrhunderte hinweg galten Blumen als unabdingbares Accessoire bei Hochzeiten. Doch stetig zunehmendes Umweltbewusstsein und der Trend zu mehr Natürlichkeit haben auch in diesem Bereich ein Umdenken herbeigeführt. Moderne Bräute äußern ihre Gefühle nicht mehr "durch die Blume", sondern bedienen sich ganz anderer Möglichkeiten...

Vom neutralisierenden Raumduft...
Ihre grundlegende Bedeutung haben Hochzeitsblumen ohnehin längst verloren. Die im Zeitalter der Renaissance aufkommenden Handgebinde dienten nämlich ursprünglich vor allem dazu, unangenehme Gerüche zu überdecken. Da bei Trauungen gewöhnlich besonders viele Menschen zusammenfanden, herrschte in den Räumen bereits nach kurzer Zeit eine sprichwörtlich "dicke Luft". Im Zusammenspiel mit Weihrauch und Kerzenduft sorgte diese bei manch festlich geschnürter Braut für störende Ohnmacht. Die in Kirchen und Festsälen drapierten Gestecke sollten solche Zwischenfälle verhindern helfen.

...zum bedeutsam aufgeladenen Symbol
Darüber hinaus kam vielen Blumen eine mythologisch oder volkskundlich verwurzelte Bedeutung zu. Zu den heute noch bekanntesten Beispielen hierfür zählen die Myrte und die Rose. Beide stehen in engem Zusammenhang mit der altgriechischen Liebesgöttin Aphrodite. Diese soll sich unmittelbar nach ihrer Erschaffung hinter einem Myrtenstrauch versteckt haben, um ihre Nacktheit zu bedecken. Seither stehen die immergrünen Myrtenzweige für bräutliche Reinheit und Unschuld. Die Rose hingegen symbolisiert Aphrodites leidenschaftliche Liebe zu Adonis, die jener mit dem Leben bezahlen musste. Nachdem sein Blut die ehemals weißen Blüten verfärbt hatte, stehen rote Rosen als Zeichen der bedingungslosen Hingabe. Im christlich geprägten Kulturkreis kam diese Aussagekraft der Lilie zu. Sie stand für die mütterlich-reine, über den Tod hinausgehende Liebe Marias.

Umweltverträgliche Neuinterpretation
Der symbolische Gehalt einzelner Blumensorten und -farben hat sich zunehmend verloren. Heute wählen Bräute ihre Sträuße überwiegend nach persönlichem Gefallen oder in Abhängigkeit von ihrer Garderobe aus. Dabei ist ein auffälliger Trend zu Natur- und Heilpflanzen zu beobachten. Bei immer mehr Floristen werden statt klassischer Blumengebinde festlich ausstaffierte Kräutersträußchen in Auftrag gegeben. Die stumme Aussage der darin enthaltenen Gewürze oder Wildblumen gleicht denen bisher verwendeter Edelzüchtungen auf verblüffende Weise; verträgt sich jedoch wesentlich besser mit dem zeitgemäßen Wunsch nach Umweltschutz und Nachhaltigkeit.

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